Operationstechniken

In den meisten Fällen wird der Eingriff in örtlicher Betäubung durchgeführt. Auf Wunsch ist eine zusätzliche Sedierung oder Narkose angezeigt, um die Stressbelastung für den Patienten während der Operation zu reduzieren.

Aus juristischen Gründen wird jedes entfernte Teilstück des Samenleiters dem Pathologen zur Begutachtung vorgelegt.

In Deutschland haben sich in den letzten Jahren mehrere Methoden etabliert:

  • Ligaturtechnik: Diese  Methode dürfte die derzeit weltweit am häufigsten angewandte Technik sein. Nach Injektion eines Lokalanästhetikums zur örtlichen Betäubung wird der Samenleiter auf beiden Seiten zwischen Daumen und Zeigefinger festgehalten und die Haut des Hodensackes auf einer Länge von 1-3cm eröffnet. Nach Freilegung des Samenleiters und ggf. elektrischer Blutstillung wird der Samenleiter angeklemmt und nachfolgend ein Teilstück von etwa 1-2 cm entfernt. Beide verbleibenden beiden Samenleiterenden werden an der Spitze elektrisch verödet und mit einem schwer-auflösbaren Faden abgebunden. Anschließend werden die Enden in verschiedenen Schichten plaziert, um eine mögliche Rekanalisation zu verhindern.
  • Non-scalpel vasectomy: Die "non-scalpel vasectomy" ist eine Weiterentwicklung der Ligaturtechnik. Sie wurde 1974 in China entwickelt und gilt als die am wenigsten traumatisierende (gewebsschädigende) Methode. Bei diesem Eingriff wird auf den Einsatz eines Skalpells verzichtet. Auch hierbei wird ein Lokalanästhetikum gespritzt. Im Gegensatz zur herkömmlichen Technik wird dieses aber in die Skrotalhaut im Bereich der Raphe (Verwachsungslinie zwischen dem rechten und linken Anteil des Hodensackes) gespritzt. Anschließend wird die Haut mit einer spitzen Klemme punktförmig eröffnet und mit einer Spezialklemme der ductus erst auf der einen Seite, dann auf der gegenüberliegenden Seite gefasst und hervorgezogen. Auch hierbei wird nachfolgend ein Teilstück entfernt, ebenso werden die Enden verödet und abgebunden. Der Wundverschluss erfolgt mit ein oder zwei Nähten, das Nahtmaterial löst sich nach etwa 10 Tagen auf.Vorteil dieser Methode ist die sehr kleine Öffnung des Hodensackes und dadurch auch die geringere Gefahr von Infektionen und Ausbildung von Hämatomem (Blutergüssen). Die Komplikationsrate der "Non-scalpel"-Technik beträgt insgesamt nur 0,4% gegenüber 3,1% für die konventionellen Techniken (Nirapathpongporn 1990).
  • Cliptechnik: Manche Operateure verschließen die Samenleiterenden mit kleinen Kunststoffclips statt der Abbindung mit einem Faden. Die Schwierigkeit dieser Technik besteht darin, den richtigen Druck auszuüben, um einen vollständigen Verschluss der Samenleiterenden zu erzielen, ohne diese völlig zu durchtrennen. Zu schwach verschlossene Clips können hingegen durch das postoperative Anschwellen der Samenleiterenden auseinander gedrückt werden können. Wir sehen in dieser OP-Methode keinen Vorteil und bieten sie, im Gegensatz zu den beiden anderen Möglichkeiten, nicht an!